Vittoria Alata

Photo credit: Rapuzzi
Vittoria AlataVia dei Musei, 81/B, 25121, Brescia (BS)
Ein ewiges Symbol. Ein wiederentdecktes Meisterwerk.
Die Vittoria Alata von Brescia gehört zu den faszinierendsten römischen Bronzeskulpturen, die uns überliefert sind. Sie ist viel mehr als nur eine Statue, sie ist ein Wahrzeichen der Stadt, ein zeitloses Kunstwerk und ein stiller Zeuge der Geschichte. Heute befindet sie sich im Herzen des Capitolium, wo sie 1826 gefunden wurde, versteckt und geschützt, bereit, wieder zu strahlen.
Herkunft und Stil
Die Vittoria Alata wurde in der Römerzeit nach 69 n. Chr. in einem einzigen Guss hergestellt und ist von hellenistischen Vorbildern inspiriert, insbesondere von der Aphrodite Urania vom Typ Kyrene.
Sie hat einen leicht gedrehten Oberkörper, die Arme sind in archaischer Eleganz angeordnet, und sie trägt einen an den Schultern befestigten Chiton, der von einem Mantel (Himation) bedeckt ist, der ihre Beine umhüllt. Das linke Bein ist angehoben, als würde es auf einem Helm ruhen, eine Geste voller Spannung und Anmut. Ursprünglich hatte sie keine Flügel: Diese wurden in der Römerzeit hinzugefügt, um sie in die Göttin Victoria zu verwandeln, in Anlehnung an die Figuren in den Kaiserforen von Rom und Konstantinopel. Ihr Kopf war mit einem raffinierten Diadem aus Silber und Kupfer geschmückt.
Die Statue wurde im westlichen Hohlraum des Capitolium versteckt, wahrscheinlich um sie vor den Plünderungen der Barbaren zu schützen. Dank dieses Verstecks ist sie in einem außergewöhnlich guten Zustand erhalten geblieben.
Sie wurde am 20. Juli 1826 in mehreren Teilen zerlegt gefunden und zog sofort das Interesse von Wissenschaftlern und Archäologen aus ganz Europa auf sich. Während des Ersten Weltkriegs wurde sie zu ihrem Schutz nach Rom gebracht. 1920 kehrte sie nach Brescia zurück, wo sie mit einer feierlichen Zeremonie unter der Leitung von Senator Pompeo Gherardo Molmenti empfangen wurde. Zwischen 1948 und 1949 wurde sie im Kunsthaus Zürich als Höhepunkt einer Ausstellung über die Schätze der Lombardei gezeigt.

Photo credit: Alessandra Chemollo

Photo credit: FotoStudio Rapuzzi

Photo credit: Alessandra Chemollo

Photo credit: Alessandra Chemollo

Ph Christian Penocchio
Studien, Hypothesen, Gewissheiten
Jahrzehntelang glaubte man, dass die Statue ursprünglich als Aphrodite entstanden war und erst später, vielleicht auf Wunsch von Augustus, anlässlich der Neugestaltung des Forums nach der Schlacht von Bedriaco, in Nike (Victoria) umgewandelt wurde. Die jüngsten XRF-Analysen haben diese Interpretation jedoch widerlegt: Körper und Flügel sind zeitgleich entstanden. Die Statue war von Anfang an als geflügelte Victoria konzipiert.
Im Jahr 2018 war die geflügelte Victoria Gegenstand eines großen Restaurierungsprojekts im Opificio delle Pietre Dure, an dem Archäologen, Ingenieure und Restauratoren in einer einzigartigen interdisziplinären Zusammenarbeit beteiligt waren. Eine Maßnahme, die dieser außergewöhnlichen Figur Licht, Materie und Stimme zurückgegeben hat.
Heute befindet sich die geflügelte Victoria im Capitolium von Brescia, in einer neuen Ausstellung, die vom spanischen Architekten Juan Navarro Baldeweg entworfen wurde.
Ein Raum, der sie mit einem erdbebensicheren Sockel schützen, vor allem aber aufwerten soll: als Kunstwerk, als historisches Zeugnis, als Identitätssymbol der Stadt.